Deutschland
In Deutschland wurden bereits Ende Januar die ersten Vorkehrungen getroffen. Dabei wurde zunächst die Strategie verfolgt, Infektionsketten nachzuvollziehen und so eine Verbreitung im Land zu verhindern. Zusätzlich wurden auch internationale Reisen eingeschränkt. Die Personenfreizügigkeit im Schengenraum wurde allerdings erst Mitte März durch Grenzkontrollen eingeschränkt. Außerdem wurde ab dem 08. März eine Empfehlung gegen Großveranstaltungen mit über 1.000 Besuchern ausgesprochen.
Obwohl der Anstieg der Infiziertenzahlen im Vergleich zu anderen Ländern weniger drastisch ausfiel, konnten auch die deutschen Maßnahmen einen exponentiellen Zuwachs zunächst nicht verhindern. Erst die Schließungen der Bildungseinrichtungen, insbesondere aber die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, die ab dem 23. März in Kraft getreten sind, haben dem Anschein nach zu einem Einbruch der Neuinfektionen und folglich auch der aktiven Fälle geführt.
Da die Regelungen vom 22. März sehr umfassend sind und sich über viele Lebensbereiche erstrecken, ist es schwierig einzelne Faktoren zu benennen, die besonders erfolgversprechend sind.
Mit der schrittweisen Öffnung von Geschäften geht auch das Einsetzen der Maskenpflicht einher. Des Weiteren wurden strenge Auflagen in Bezug auf Abstand, Personenzahl, aber auch Kontaktangaben zur möglichen Rückverfolgung von Besuchen erlassen.
Diese Kombination von Maßnahmen scheint die Zahl der Neuinfektionen recht niedrig zu halten.
Italien
Italien war zeitweise das am stärksten betroffene Land in der Krise. Im Zuge dessen hat die Regierung auch entsprechend resolut gehandelt und drastische Maßnahmen geltend gemacht, die die bestehenden Grundrechte der Italiener stark eingeschränkt haben.
In Italien sind nicht alle Maßnahmen auf nationaler Ebene geltend. Besonders stark betroffene Regionen im Norden Italiens, wie die Lombardei oder Venetien haben striktere Maßnahmen zu befolgen. So wurden z.B. zu Beginn der Krise erst bestimmte Provinzen in den genannten Regionen abgeriegelt, bevor man den “Lockdown” letztendlich für das ganze Land verhängte.
Ab dem 30. Januar werden in Italien Tracing-Maßnahmen zur Kontaktrückverfolgung eingesetzt. Diese Maßnahme wird weiterhin durchgeführt. Ab dem 15. Juni wurde zusätzlich „Immuni“, eine Smartphone-App, zur Verfügung gestellt, die das Tracing der Infizierten erleichtern soll. Seit dem 04. März sind Schulen, Kindergärten und Universitäten in Italien geschlossen. Vom 11. März bis zum 18. Mai waren Restaurants und Bars geschlossen.
Vom 09. März bis zum 18. Mai wurde ein „Lockdown“ verhängt, sodass Menschen ihr Haus nur noch für essentielle Aktivitäten verlassen durften. Stark betroffene Regionen wurden bereits früher abgeriegelt und unterliegen teilweise immer noch strengen Auflagen. Ein Sicherheitsabstand von mind. 1 Meter wurde im Rahmen der Lockdown-Auflagen am 09. März auferlegt. Vom 28. März bis zum 03. Juni war eine Einreise für Touristen in das Land verboten. Lediglich Einreisen aus essentiellen Gründen waren erlaubt. Seit dem 04. Mai gilt eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Läden. Stark betroffene Regionen oblag bereits früher einer Maskenpflicht unter zum Teil strengeren Auflagen.
Bei Betrachtung des Graphen fällt auf, dass ein Großteil der bedeutsamen Maßnahmen im März eingeleitet wurde. Die Infektionszahlen sanken ca. ab dem 21. April stetig. Man könnte nun anhand des Graphen argumentieren, dass die vorangegangene Einreisebeschränkung einen großen Einfluss auf den Rückgang der Infektionszahlen hat. Allerdings wird vielmehr das ganze Bündel an Maßnahmen, welches Anfang März graduell erweitert wurde, einen Rückgang der Infektionen bewirkt haben. Zudem müsste man stets die Verfügbarkeit von COVID-19-Tests berücksichtigen.
New York
Im Bundesstaat New York wurde die erste mit dem COVID-19-Virus infizierte Person am 01. März entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt muss die Dunkelziffer der Infizierten jedoch sehr hoch gewesen sein. Aus diesem Grund explodierte die Anzahl der COVID-19-Kranken in den folgenden Wochen förmlich.
Zuerst wurden Schulen und andere Bildungseinrichtungen am 16. März geschlossen, einen Tag später dann auch Restaurants und Bars.
Am 22. März wurden zahlreiche Bestimmungen der Regierung angeordnet, um die Infektionsrate zu senken. Mit Eintreten der „10-Point-Policy“ wurde New York „pausiert“. Es wurden alle Geschäfte ohne essentielle Bedeutung geschlossen und alle Treffen, z. B. Geburtstagsfeiern oder Partys) von Personen verboten. Auch andere Zusammenkünfte von Personen in der Öffentlichkeit, ausgenommen die, von systemrelevanten Arbeitern, dürfen nur mit einem Sicherheitsabstand von ca. 1,80 m (6 Feet) stattfinden. Weiterhin muss der Sicherheitsabstand auch im generellen Kontakt mit anderen Personen in der Öffentlichkeit und im öffentlichen Nahverkehr eingehalten werden. Wenn eine Person krank ist, soll diese zuerst ferndiagonstiziert werden und darf anschließend in dringenden Fällen einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Außerdem wurde die Bevölkerung angewiesen, Hygiene- und Desinfektionsmittel regelmäßig zu benutzen.
Trotz dieser Maßnahmen blieb der Staat New York eines der an den stärksten betroffenen Gebiete der USA und auch weltweit.
Südkorea
Südkorea konnte die Infektion anfangs gut kontrollieren. Schon ab dem 03. Januar wurden Reisende aus der Region Wuhan überprüft und auf eine Quarantäne vorbereitet. Die erste Infektion wurde so am 20. Januar entdeckt. Durch umfangreiche Tracking Maßnahmen konnten die Aufenthaltsorte und Kontaktpersonen von Infizierten überprüft werden. So war es möglich von Infizierten besuchte Orte zu desinfizieren und andere Personen zu warnen, wenn sie sich einem solchen Ort näherten. Diese Maßnahmen konnten die Infektionsrate jedoch nicht auf Dauer niedrig halten. Durch das Fehlverhalten des sogenannten „Patienten 31“ und der Shinsheonji-Kirche wurde das COVID-19-Virus massiv ab dem 18. Februar verbreitet. Die zeichnet sich auch deutlich im Verlauf des Graphen aus.
Trotzdem kam es zu keinem überregionalen Lockdown. Orte oder Regionen wurden speziell abgeriegelt und der Aufenthalt an einem Platz, den eine infizierte Person besucht hatte, wurde unterbunden. In Südkorea wurde frühzeitig eine App entwickelt, um die Bevölkerung zu warnen. Durch das umfangreiche Offenlegen der Bewegungsmuster und Aufenthaltsorte von Infizierten konnte sich die restliche Bevölkerung von diesen Orten fernhalten und sich so ohne Einschränkungen bewegen.
Weiterhin wurde von der Industrie die Produktion von Schutzmasken und anderen Hygienemitteln bereits ab Februar begonnen. Außerdem wurde die Körpertemperatur der Menschen regelmäßig beim Besuch von Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen untersucht, unter anderem auch mit Wärmebildkameras. So konnten Personen mit Anzeichen von COVID-19 schnell ausgemacht und isoliert werden. Neben diesen Maßnahmen konnten in Südkorea in sehr kurzer Zeit viele Personen auf COVID-19 getestet werden, wodurch Infizierte besser entdeckt wurden. Außerdem gab es ab dem 02. Februar Einreisebeschränkungen für Risikoregionen. Reisende durften daraufhin das Land nicht betreten oder mussten sich in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.
Insgesamt war wahrscheinlich das schnelle Reagieren auf den ersten Fall und die daraufhin auf einem nationalen Level durchgeführten Maßnahmen, wie das gründliche Tracking von Infizierten und Testen, und die gemeinsame Reaktion von privaten Firmen und der Regierung verantwortlich für die vergleichsweise niedrige Anzahl an Infizierten.
Spanien
Die spanische Regierung hat eine radikale Strategie verfolgt. Das gesamte Land wurde ab dem 13. März für 14 Wochen unter staatlichen Alarmzustand gestellt. Damit war eine landesweite Ausgangssperre verhängt worden. Nur Lebensmittelläden und Apotheken durften geöffnet bleiben und sogar Spaziergänge und Sport im Freien wurden verboten. Auch Bildungseinrichtungen wurden geschlossen, lediglich der Weg zum Arbeitsplatz blieb gestattet. Trotz dieser strengen Maßnahmen stieg die Zahl der aktiven COVID-19-Fälle, wenn auch langsamer, weiter an.
Vom 30. März bis zum 09. April mussten alle Arbeitnehmer, deren Beruf nicht als essentiell galt, bezahlten Sonderurlaub nehmen. Etwa 14 Tage später ist erstmalig ein Rückgang der Krankheitsfälle zu beobachten. Nach Ostern wurde eine Empfehlung zur Nutzung von Masken, insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgesprochen, eine Maskenpflicht für den öffentlichen Raum jedoch erst am 20. Mai verhängt. Ein Zusammenhang mit den Infektionszahlen ist nicht zu erkennen.
Seit dem 02. Mai sind Individualsportarten oder Spaziergänge mit Menschen desselben Haushalts im Freien für maximal eine Stunde innerhalb vorgegebener Uhrzeiten (08:00 – 10:00 Uhr, 20:00 – 23:00 Uhr) erlaubt. Seit Mitte Mai ist wieder ein leichter Anstieg der aktiven Fälle zu beobachten.
Es ist schwierig die Wirksamkeit der Maßnahmen oder deren Lockerung zu beurteilen. Es scheint allerdings angesichts der hohen Fallzahlen, dass Spanien früher auf die Pandemie hätte reagieren müssen.
Seit dem 21. Juni ist der Alarmzustand aufgehoben und Spanien verfolgt einen mehrstufigen Plan der Rückkehr zum „Normalzustand“, bei dem entsprechend der Fallzahlen regional gehandelt werden kann. Auf diese Weise kann besser auf die Entwicklung in den Ballungsgebieten reagiert werden.
Schweden
Schweden fiel bereits zu Beginn der Krise durch einer sehr liberale und vergleichsweise lockere Strategie zur Bekämpfung des Virus auf. Drastische Maßnahmen, wie sie in vielen anderen Ländern von der Regierung verhängt wurden, gab es in Schweden bisher nicht. Grund hierfür ist auch das schwedische Regierungssystem und die schwedische Verfassung, die den Menschen im Land Bewegungsfreiheit gewährt. Darüber hinaus liegt die Verantwortung der Reaktion auf das Virus größtenteils bei der schwedischen Behörde für öffentliche Gesundheit (Folkhälsomyndigheten) und nicht bei der Regierung. Außerdem werden lediglich Empfehlungen zur Prävention ausgerufen, anstatt verbindlicher Maßnahmen. Laut Umfragen und Untersuchungen wurde diesen Empfehlungen aber weitgehend Folge geleistet.
Seit dem 30. Januar werden in Schweden Tracing-Maßnahmen zur Kontaktrückverfolgung von Infizierten eingesetzt. Diese Maßnahme wird weiterhin durchgeführt. Vom 17. März bis zum 15. Juni wurden weiterführende Schulen und Universitäten geschlossen. Kindergärten und Grundschulen blieben geöffnet, um das Personal des Gesundheitswesens zu entlasten.
Schwedens liberaler Ansatz, der überwiegend auf Empfehlungen basiert, scheint bisher nicht sehr effektiv gewirkt zu haben. Auch Staatsepidemiologe Anders Tegnell hatte jüngst Fehler hinsichtlich Schwedens Strategie eingestanden. Anhand des Graphen erkennt man, dass die bisherigen Maßnahmen oder eher Empfehlungen nicht zur Eindämmung des Virus beigetragen haben. Die Infektionszahlen steigen weiterhin stetig.
England
Am 31. Januar wurde die erste Infektion gemeldet, jedoch stellte sich nachfolgend heraus, dass es bereits ab Mitte Januar mit dem COVID-19-Virus infizierte Personen in England gab.
Die Strategie zur Bewältigung der Krise unterschied sich anfangs grundlegend von den Konzepten anderer Länder. Es sollten sich möglichst viele Personen mit dem Virus infizieren, um so eine Herdenimmunität zu erreichen, wie von der Regierung am 13. März bekanntgegeben wurde. Deswegen wurden zuerst keine Maßnahmen ergriffen.
Nachdem sich die Anzahl der Infizierten und die, der durch das COVID-19-Virus verstorbenen Personen, weiter stieg, wurden auch durch öffentlichen Druck am 23. März Ausgangsbeschränkungen angekündigt, die am 26. März in Kraft traten. Das Haus durfte nur noch einmal am Tag verlassen werden, um Lebensmittel oder andere essentielle Dinge zu kaufen. Außerdem wurden Treffen von mehr als zwei Personen verboten und alle Läden und Geschäfte geschlossen. In den darauffolgenden Wochen stieg die Anzahl der Infizierten jedoch weiter stark an. Die Ausgangsbeschränkungen blieben bis zum 31. Mai bestehen.
*Die im Graph dargestellten Daten der Johns Hopkins University beziehen sich auf das gesamte Vereinigte Königreich. Auf England entfallen 84 Prozent der Gesamtbevölkerung.